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archaeOlOgie der Ukraine von Dr. Jaroslav Pasternak ehem.

Professor der Urgeschichte der Ukrainischen Theologischen Akademie und der Ivan Franko-Staats-Universitaet von Lviv (Lem­berg), Gastprofessor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Univer- sitaet in Bonn und Professor der Ukrainischen Freien Universitaet in Muenchen.

Archaeologie der Ukraine hat die Aufgabe, in gedraengter Form sowie objektiver Beleuchtung auf Grund archaeologischer Funde die Entwicklung der materiellen und geistigen Kultur der Ukraine inner- halb ihrer ethnographischen Grenzen in der Urgeschichtlichen, frueh- geschichtlichen sowie frueh-mittelalterlichen Epoche darzustellen.

Die Geschichte der archaeologischen Untersuchungen in der Ukraine

Die archaeologischen Untersuchungen in der Ukraine begann der Kiever Metropolit Petro Mohyla im Jahre 1633 auf dem Gebiet der Zeh- entkirche in Kiev. Darauf folgte eine Iange Zeit ausschliesslicher raeu- berischer Grabungen, bis in der 2. Haelfte des 18. Jahrhunderts wissen- Schaftliche Untersuchungen einsetzten. Die ersten Systematischen Aus- grabungen fanden in den griechischen Schwarzmeerkolonien gegen Ende des 18. Jahrh. statt∙ Sie nahmen am Anfang des 19. Jahrh. an Umfang zu.

Das aelteste archaeologische Museum wurde im Jahre 1809 in Mykolajiv und die erste archaeologische Gesellschaft im Jahre 1839 in Odessa gegruendet. Nach der Revolution von 1917 schuf man das All- Ukrainische Archaeologische Komitee — WUAK, — (1922-1933) in Kiev, das man etwas spaeter in ein Institut der Geschichte der Materiel­len Kultur (1934-1938) und noch spaeter in ein Archaeologisches Insti- tut umformte (seit 1938). Weitere Mittelpunkte archaeologischer For- Schungen waren Odessa, Charkiv und Lemberg.

Arbeiten, die sich auf die Archaeologie der Ukraine beziehen, wurden seit 1820 gedruckt, vom Jahre 1854 an erschienen sie schon in einigen Dutzenden periodischer Ausgaben in Kiev, Lemberg und ander- en Staedten sowie in Verschiedenen periodischen Ausgaben Russlands, Polens1 Rumaeniens und Ungarns.

Zu dieser Zeit begann man auch mit der Herausgabe grosser Monographien.

Physische Lebensbedingungen

Die Lebensbedingungen in ganz Europa waren Waehrend der Quartaerzeit nicht dieselben. Von ihren vier Eiszeiten erreichte die er- ste (Guenz) Osteuropa ueberhaupt nicht.

Die zweite (Mindel) kam bis an die Grenzen der Ukrainischen Gebiete. Die Schmelzwasser des Suedlichen Teiles dieses Gletschers hoehlten tiefe Flusstaeler in der Ukraine aus. Das Klima war milder als das heutige und feucht.

Die naechstfolgende Eiszeit (Riss) war die maximale. Der Glet- scher schob sich ueber den Dnjepr weit nach dem Sueden bis gegen Dnipropetrovsk vor. Suedlich davon reihte sich die Tundra an, ueber- gehend in die kalte Steppe und in Inseln von Birkenwaeldern. Das Kli­ma war trocken, scharf kontinental.

Die Ietzte Eiszeit (Wuerm) erreichte bereits die Nordgrenzen der Ukraine nicht mehr. Die Lebensbedingungen Verbesserten sich bedeutend nach dem endgueltigen Zuruecktreten des Gletschers-

Die AIlsteinzeit

Das erstmalige Erscheinen eines Menschen in der Ukraine faellt bereits in die Chelleen-Zeit. Die einzige auf uns Ueberkommene Spur eines Wohnplatzes jener Epoche befindet sich beim Dorfe Luka Vru- blivecka am mittleren Dnjestr. Der erste Mensch vom Heidelberger Ty- pus kam aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Gebiete der heutigen Tuerkei und Armeniens auf dem Wege zwischen Kaukasus und Schwar- zem Meere.

Wohnplaetze von Mammutjaegern der Acheuleen-Zeit entdeckte man an sieben Orten in den Gebieten am Dnjepr, am Dnjestr und auf der Krim.

In der folgenden Mousterien-Zeit, die auf den Anfang der Wu- erm-Eiszeit faellt, vermehrte sich die Bevoelkerung der Ukraine, wor- auf ueber 30 Fundplaetze in den Flussbecken des Dnjestr, des Dnjepr, der Desna und am noerdlichen Donee, am Asowschen Meere und in der Krim hinweisen. In den Hohlenwohnplaetzen von Kiik-Koba und Staro- sillja auf der Krim fand man die aeltesten Bestattungen von Menschen der Neanderthalrasse1 die bereits auf das Bestehen erster religioeser Vorstellungen der damaligen Bevoelkerung der Ukraine hinweisen.

Im Jung-Palaeolithikum waren die heutigen Ukrainischen Gebiete fuer diese Epoche schon ziemlich dicht mit Menschen der Cro- Magnon- rasse besiedelt. Sie wohnten bereits in dauerhaften Zeltaehnlichen Wohn- bauten, deren Entstehen mit den Anfaengen einer sesshaften Lebens- weise Verbunden war.

Die erste Rolle in der Nahrungsversorgung spielte noch immer die Jagd auf Mammut und Wisent. Einer deutlichen Aenderung unter- Iag die Technik der Herstellung der Steinwerkzeuge. Man benutzte jetzt Iaengliche Abspliesse, die man mit Hilfe von Randbeschlag Verbesserte.

Charakteristisch fuer das Jung-Palaeolithikum sind erstmalige Aeusserungen der bildenden Kunst, und erste kultische Darstellungen mit magischem Hintergrund. Dies sind plastische weibliche Figuren aus weichem Stein oder Elfenbein, in rein realistischer Manier ausge- fuehrt. Man kann sie richtig als Darstellung der Weiblichen Ur-Gebae- rinnen auffassen, die nebenbei noch die Bedeutung eines Schuetzenden Fetisches fuer das ganze Volk wahrend magischer Zeremonien haben konnten. Ihre Aufgabe lag darin, gutes Gelingen der Jagden anzu- zaubern. Aus den Ursruenglichen Ukrainischen Gebieten besitzen wir solche Figuren nicht, sie sind heute nur aus den nordoestlichen Peri- pherien def Ukraine (Kostenky, Gagarino) bei Voroniz am Don bekannt.

Das von Jung-Palaeolithischen Staemmen besiedelte Territorium der Ukraine Vergroesserte sich bedeutend rascher im Vergleich mit dem des Altpalaeolithikums. Die Bevoelkerung konzentrierte sich in groesseren Anhaeufungen auf der Linie Rivne — Ovruc — Novhorod Siverskyj — Voroniz. In der Epoche des Aurignacien — Solutreen be- fanden sich die am dichtesten besiedelten Gebiete am oberen und mit- tleren Dnjestr und am oberen Pruthbecken; dies brachte einige Forscher auf den Gedanken, dass das Westliche Aurignacien Osteuropaeischen (Ukrainischen) Ursprungs sei. Der Autor jedoch glaubt, dass im Jung- Palaeolithikum das Ukrainische Aurignacien- Gebiet, dessen Grenzein- fluesse Suedmoskovien, Weissruthenien, Ostpolen, Maehren und Sie- benbuergen erreichten, nicht das einzige in Europa war- Ausser diesem bestand sicher das franzoesische Zentrum des Aurignacien, dessen Ein- fluesse in Westpolen zu verfolgen sind.

Ein drittes Zentrum musste in Kleinasien, ueberhaupt im nahen Osten bestanden haben. Die Einflues- se des Donaumittelpunktes der Solutreenkultur werden durch beson- dere Iorbeerblattfoermige Spitzen gekennzeichnet.

Eine ausgesprochene Magdalenienkultur, wie wir sie z. B. in Frankreich verfolgen koennen, finden wir auf den Ukrainischen Terri- torien nicht. Wir begegnen hier nur der damaligen Osteuropaischen Kultur, die aus dem spaeten Aurignacien hervorging und nur durch die Kunst der Beinschnitzerei mit dem allgemeinen Kulturniveau Europas im Magdalenien verbunden war. Unter den damaligen kuenstlerischen Aeusserungen der Ukraine erreichten bereits die Armreifen mit einge- ritzten Maeandern und die stark Stilisierten Weiblichen Figuren vom Fundplatz beim Dorfe Mizyn im Cernyhiver Gebiet Weltruhm. Einige Begraebnisplaetze des Jung- Palaeolithikums wurden an der nordoestli­chen Grenze der Ukraine in der Gegend von Voroniz (Kostenki) frei- gelegt.

Aus der epipalaeolithischen Endphase des Palaeolithikums fin­den wir in der Suedukraine bei den Doerfern Vasylivci und Voloske im Bezirk Dnipropetrovsk Sippen- Grabstaetten in Gruppen, ebenso eine Anhaeufung von Muscheln, analog den nordeuropaeischen koeken — moeddinger, ausgegraben auf der Insel Ohrin am Dnjepr und in der Hoehle Schan- Koba auf der Krim.

Mesolithikum

Die mesolithische Bevoelkerung der Ukraine Iebte in der war­men Nacheiszeit, beschaeftigte sich mit Jagd, Fischerei und dem Sam- meln von Fruechten. Die Herstellung der dazu noetigen Werkzeuge fuehrte zur weiteren Mikrolithisation der Steinernen Einlagen in Bein- oder Holzharpunen und Speeren. Solche Werkzeuge benutzte man auf der aelteren Tardenoisien- Stufe des Mesolithikums. Die Wohnplaetze der Jaeger der Tardenoisien- Stufe waren fast ausnahmslos auf den Sandduenen verstreut. Aller Wahrscheinlichkeit nach bestanden sie aus Gruppen Ieichter Zeltfoermiger Bauten, die keine Spuren hinter- Iiessen. Auch sind bis heute mesolithische Bestattungen auf Sanddue- nen noch nich entdeckt worden.

In der Spaetmesolithischen, oder vielleicht bereits in der proto- neolithischen Campignien- Kultur erscheinen die ersten noch unge- Schliffenen Feuersteinaexte von ovaler Form, weiters Beile vom Lito- rina-Typus (pic) und Ineisselaehnliche Werkzeuge (tranche). Pfeilspi- tzen fehlen Vollstaendig.

Ein wertvoller Fund von kulturhistorischer Bedeutung in der Suedukraine sind Wandmalereien von Tieren in den Hoehlen von Kam- jana Mohyla bei Melitopol in Nordtaurien. Die aeltesten unter ihnen stammen Wahrscheinlich noch aus dem Mesolithikum- Zahlreiche kleine Vertiefungen — die Folge vom Speerwerfen-, sind Zeugen von magi- schen Zeremonien, die in der Hoehle vor den Jagden Stattfanden. Ein nicht minder wichtiger Fund ist der Wohnplatz bei Kamjana Mohyla mit mesolithischer oder sehr frueher neolithischer Keramik, der einzi- ge Fund dieses Typus zusammen mit Wandmalereien (Petroglyphen) in der Ukraine.

Neolithikum

Die neolithische Bevoelkerung der Ukraine, wie auch Europas, schuf bereits die ersten Formen eines sesshaften gemeinschaftlichen Lebens. In den fruchtbaren Loessgebieten beschaeftigte sie sich beson- ders mit Ackerbau und Viehzucht. In der Steppenzone traten Ackerbau sowie Viehzucht — und dies sehr selten — erst sehr viel spaeter auf, d. i. im Eneolithikum- Es entwickeln sich die ersten Hausgewerbe nach der Fuerstein-Bearbeitung, Toepferei und Weberei. Die Vollstaending freihaendig Iiergestellten Gefaesse wurden mit Gruebchen oder einge- ritzten Linien verziert, die Verschiedene Muster von aesthetischer oder kultischer Bedeutung schufen. Jeder Stamm arbeitete allein fuer seinen eigenen Bedarf, und jeder Stamm besass seine eigenen Formen und Ornamente.

Auf den Ukrainischen Territorien bestanden ziemlich Wesentliche Unterschiede zwischen den suedlichen Steppengebieten, den zentralen und noerdlichen Waldgebieten und dem Westland. Zur Ermittlung des Lebens und der Kultur der neolithischen Bevoelkerung der Suedukraine sind die Fundplaetze auf der Halbinsel Ohrin oberhalb der Stromschnel- Ien mit Spuren von Zeltfoermigen Behausungen und Skelettbestattungen bereits mit geringer Beigabe von rotem Ocker am Wichtigsten- Dieser Bevoelkerung gehoert die Spitzbodenkeramik zu, mit Linienornamenten verziert, und spaeter die FIachbodenkeramik mit Eindruecken von Kammzaehnen.

Die Verstorbenen beerdigte man einzeln.

Im Norden der Steppenzone der Ukraine zwischen Dnjepr und dem westlichen Teil Podoliens waren im Neolith weite Strecken dicht besiedelt von ackerbautreibenden Staemmen, deren Kultur in der Ar- Chaeologie den Namen Trypilla- Kultur erhielt. Fuer diese Staemme war eine eigene Siedlungsbauweise Charakteristisch, d. h. Huetten auf ge- branntem Lehmfussboden. Die erhaltenen Tonmodelle der Huetten ge- ben uns eine fast genaue Vorstellung ihrer inneren Einrichtung.

Das Charakteristische Merkmal der Trypilla- Kultur ist ihre Ke- ramik: ihr Reichtum an Formen, die Kuehnheit der dekorativen, meist Spiralfoermigen Motive, in einer oder zwei Farben — braun und weiss — auf rotem Grund ausgefuehrt, sowie die technische Vollkommenheit der Arbeiten stempein sie zur Wertvollsten Keramik der gesamten neolithi- schen Epoche Europas.

Ein zweites Merkmal der Trypilla- Kultur sind ihre plastischen Weiblichen Tonfiguren fuer den Kult um die Goettin der Fruchtbarkeit, sowie auch Tierfiguren. Aehnliche Figuren sind auch auf einige Gefaes- se gemalt. Das Begraebnis- Zeremoniell der Trypiller beruhte auf einem Biritualismus — auf Verbrennung und Beerdigung. Unter den Gebrauchs- werkzeugen der Trypiller befanden sich bereits die ersten Metallar- beiten: Kupferaexte, Nadeln und Fischhaken. Aus dem dicht bewohnten Dnjestrgebiet siedelten die Trypiller nach Bessarabien (Petreny), nach Siebenbuergen (Eroesd) und dem Banat (Gumelnitza) um.

In den Nordgebieten der Ukraine beschaeftigte sich die Bevoel- kerung des Neolithikums mit Jagd und Fischfang und benutzte Spitz- boden — Keramik, verziert mit Zahnabdruecken von Kaemmen und Rei- hen von dreieckigen Eindruecken (Kammgruebchen-Keramik).

Beilaeufig am Anfang des IIL Jahrtausends v. Chr. erscheinen im Nordosten der Ukraine vom Norden her praugrofinnische Staemme, de­ren Urheimat die baltischen Lande sowie Nord- und Zentralgebiete des heutigen Moskowien bildete. Ihre Wohnplaetze Charakterisiert die eigen- tuemliche Keramik in Eiform, verziert mit einer Reihe von Gruebchen, Eindruecken von Kammzaehnen und einem Schnurumwickelten Staeb- chen (Gruebchenkamm-Keramik).

In den Westgebieten der Ukraine, besonders in Galizien und Vol- hynien, entwickelt sich eine neolithische Kultur vom Bugtypus- Die Feuersteinerzeugnisse sind eingehend erforscht, jedoch kaum die Nie- derlassungen und noch weniger die Bestattungen. Es ist bloss bekannt, dass die Suedukrainischen Neolithiker Ackerbauern waren, in Erdhuet- ten wohnten und ihre Toten in Hockerstellung begruben. Die Keramik war grob, flachbodig.

Die neolithische Kultur des Karpatengebietes, die den Namen Buekk-Kultur traegt, ist noch ebensowenig erforscht. Charakteristisch fuer diese Kultur sind Schiefergegenstaende von Schuhleistenkeilform. Diese Keramik ist mit Linienornamenten von eckigen Spiralen versehen, die an zerrissene Maeander erinnem. Das geistige Leben der Staemme der Buekk- Kultur ist noch voellig unbekannt.

Eneolithikum

Diese Ietzte Phase des Neolithikums wird durch Stein-, Bein- und Holzgegenstaende Charakterisiert, neben den ersten noch sehr seltenen und ausschlisslich eingefuehrten Kupfererzeugnissen. Von den Trypil- Ia- Siedlungen ist die groesste die beim Dorfe Volodymyrivka im Becken des Boh gelegene. Durch Ausgrabunden Iegte man dort mehr als 200 Oberirdische und halbunterirdische Huetten frei, die der groessren Sich- erheit wegen fuenf konzentrische Kreise bildeten und annaehernd einen Quadratkilometer einnahmen. Sie hatten je zwei Raeume mit Charakte- ristischen kreuzfoermigen Opferstaetten. Die Tongefaesse waren mit ausgehoehlten monochromen oder polychromen Qrnamenten verziert- Am gruendlichsten durchforscht ist die Trypilla-Niederlassung Kolo- myjscyna beim Dorfe Chalepja im Kiever Gebiet, deren Huetten ebenso in konzentrischen Kreisen aufgestellt sind. In den Bestattungsbraeuchen der Trypillastaemme kann man den Uebergang von der Skelettbestat- tung zur Brandbestattung verfolgen.

In der Suedlichen Steppenregion der Ukraine fand man Massen- Sippengrabstaetten (Dorf Vovnihy in Gebiet der Stromschnellen, Ma- riupil). In der Iinksufrigen Ukraine im Gebiet der Dnjepr-Stromschnel- Ien sowie am Donee entdeckte man viele Wohnplaetze und Bestattungen noch mit Spitzbodenkeramik. Etwas spaeter sehen wir Schachtgraeber mit angehockten Skeletten, mit rotem Ocker bestreut> der wahrschein- Iich das reinigende Feuer zu Symbolisieren oder aber auch zur Taeto- wierung in der “anderen Welt” zu dienen hatte. Einige darunter sind mit anthropomorphen Steinplatten zugedeckt. Die Keramik in diesen Graebern ist eifoermig, mit Eindruecken eines mit einer duenner Schnur Umwickelten Staebchens verziert.

In den Westgebieten der Ukraine sehen wir eine hochentwickelte Technik in der Herstellung von Steinwerkzeugen, die zum Warenaus- tausch mit dem Kiever Gebiet, den baltischen Laendern und dem Kar- Patengebiet dienten. Fuer das Eneolithikum des Karpatengebietes waren Brandbestattungen mit Obsidian — und bereits den ersten eingefuehr- ten Kupfergegenstaenden Charakteristiseh.

Die ethnische Karte der Westukrainischen Gebiete aendert sich im Eneolithikum gewaltig infolge der Umsiedlung Verschiedener Staem- me aus weniger fruchtbaren Gegenden Zentral- und Nordeuropas nach dem Osten. Die ersten dieser Staemme erschienen vom Westen her und brachten eine Keramik von primitiver Kugelform1 mit Charakteristi- schen Linearbandornamenten verziert. Bald nach diesen erschienen Wahrscheinlich nordische Hirtenstaemme mit einer eigenen Trichter- becher- Keramik und den ersten Steinstreitaexten. Dies bildete den An- fang des noch heute andauernden “Dranges nach dem Osten.”

Die naechste Welle nordischer Emigranten, mit der ersten ver- wandt, hatte die Gewohnheit, ihre Toten in Steinkistengraebern zu bestatten. Sie erschien aus der sandigen Umgebung des Baltikums und zog bis nach der Bukowina. Spaeter kamen auf demselben Wege aus Mit- teleuropa weitere Siedler mit einer mit Schnurabdruecken versehenen Keramik, die bis in das Dnjeprgebiet vordrangen.

Die ersten drei Gruppen der hier aufgezaehlten Staemme hinter- Iiessen keinerlei Spuren in der bodenstaendigen Kultur der Westukraini- schen Bevoelkerung. Nur die Ietzten “Schnurkeramiker” trugen zur Schaffung zweier Iokaler Varianten der bodenstaendigen Kultur in der folgenden Bronzezeit bei.

Bronzezeit

Die hauptsaechliche ethnische Gruppe in der Ukraine bildeten auch weiterhin die ackerbauenden Trypilla- Staemme, deren Kultur sich bereits im Laufe der Zeit ueberlebt hatte und dem Niedergang ver­fallen war.

Archaeologische Denkmaeler vom Trypilla-Typus treten in vier ziemlich gesonderten Gruppen im oestlichen Wolhynien, in der Kiever Gegend, im Gebiet des Schwarzen Meeres und des Dnjestr auf∙ Die Wol- hynische Gruppe ist heute nur noch durch die Denkmaeler des Typus von Horodske im Eytomyrer Gebiet vertreten, von der Gruppe im Mit- telgebiet am rechten Dnjeprufer sind nur Siedlungen bekannt, am Iinken Ufer wτurden Siedlungen und Gruppen- Brandbestattungen vom Typus Sofiivka aufgedeckt (Boryspilsker Kreis). Fuer die Gruppe am Schwar- zen Meer ist eine Bevoelkerung mit Resten von Steinbauten und von Kromlechs umgebenen Grabhuegeln vom Usatovo (bei Odessa) Typus Charakteristiseh. Eine Gattung ihrer Keramik ist einfaerbig bemalt, die zweite traegt Schnurabdruecke gleich dem westlichen Typus. Daneben findet man Weibliche Figuren aus Ton vom Trypilla-Typus sowie Kup- fererzeugnisse. Die Gruppe von Trypilla- Denkmaelern der Bronzezeit im Dnjestrgebiet ist am besten durch die Toepfersiedlung in Kosylivci bei Zaliscyky und die Skelettbestattung in der Unterirdischen (Karst-) Hoehle in Bilce Zolote bei der Stadt Borsδiv Charakterisiert.

Je spaeter, desto mehr geht die Trypilla-Kultur mit ihrer bemal- ten Keramik dem vollen Untergang entgegen. Die Ursache dafuer kann man wohl darin sehen, dass sie nach einem beilaeufig 3000 -jaehrigen Bestehen ihre Lebenskraft sowie die Fantasie eines schaffenden kuenst- Ierischen Geistes eingebuesst hatte und nun abzusterben drohte, dege- nerierte und fremden, andersartigen Einfluessen verfiel. Es aenderte sich der materielle Ausdruck der Kultur, es Verschwanden die prachtvoll bemalten Gefaesse sowie die komplizierte Bauweise ihrer richtigen hoel- zernen Huetten — doch die Bevoelkerung als solche unterlag keiner Ver- aenderung. Die Ackerbauer — und die Trypiller Staemme waren Acker- bauer — verlassen nicht so Ieicht ihre Scholle, ihre fruchtbare Schwarz- erde, die sich bereits waehrend der Bluetezeit der Trypilla- Kultur in der Ukraine zu bilden begann. Die Bevoelkerung bleibt am Orte, wenn auch im nachfolgenden Zeitabschnitt unter der fremden Skythischen Okkupation.

Im mittleren Dnjeprabschnitt sowie im Zuflussgebiet des Boh erscheinen in der fruehen Bronzezeit aus den Ukrainischen Westgebieten StammesteiIe mit Schnurkeramik, die zum Teil auch weiterhin ihre Kul- tur beibehalten (Stretivka-Gruppe), doch teilweise unter den kulturel- Ien Einfluss von Steppenvoelkern mit Schachtgraebern geraten (Hatne- Gruppe). Nach dem Ueberqueren des Dnjepr begab sich ein Teil der liSchnurkeramikern nach dem Norden, vermischte sich mit den boden- Staendigen Staemmen und schuf zusammen mit diesen an der oberen Volga die Kultur vom Fatianovo- Typus. Der zweite Teil der 11Schnurke- ramiker” zog am Iinken Ufer des Dnjepr entlang in die Krim, ins Kuban- gebiet und nach Ciskaukasien, was gesonderte Funde von Schnurkera- mik des westlichen Typus auf diesem Wege beweisen.

Im allgemeinen geht die Zentraleuropaeische Migrationswelle der “Schnurkeramiker” im Verlaufe der Bronzezeit in der autochthonen Bevoelkerung der Trypiller in der Ukraine auf. Die neuen Kolonisten assimilieren sich sowie ihre Kultur, und diese kann als beredtes Zeugnis fuer das hohe Kulturniveau der ackerbauenden Trypilla- Staemme im Vergleich mit den Iiomadisierenden Hirten-“Schnurkeramikern” dienen.

Am unteren Dnjepr und im Kubangebiet erhielten sich eine ganze Reihe von Siedlungen sowie spaeter Schachtgraeber vom Mychailivka- Typus (Chersongebiet) aus der fruehen Bronzezeit. Die Gebaeude be- sassen hier Steinfundamente, die ganze Ansiedlung war von zwei Steinmauern umgeben. Die Keramik mit rundem Boden war mit Eindrue- cken eines mit einer duennen Schnur Limwickelten Staebchens verziert. In zwei Bestattungen im Gebiete von Dnipropetrovsk fand man Reste hoelzerner Raeder eines Zweiraedrigen Wagens, die besten Zeugen fuer das Vorhandensein von Zugtieren in der Ukraine schon im III. vorchrist- Iichen Jahrtausend abgeben.

Die Wertvollsten Denkmaeler, die Steppenvoelker mit Gruben (Jamna)-kultur hinterliesen, sind grosse Grabhuegel von Stammes- fuehrern bei Maikop im Kubangebiet, sehr reich mit goldenen und silber- nen Gegenstaenden ausgestattet. Aehnliche Grabhuegel findet man am ganzen Mittel- und Oberlauf des Kuban.

In der fruehen Bronzezeit erfolgte eine Umwaelzung innerhalb der Bevoelkerung des Stepppengebietes der Ukraine. Weite Laendereien zwischen Dnjepr und Volga besiedelten neue Staemme die vom oestli- chen Mittelmeergebiet ueber den Kaukasus zogen und eine Charakteris- tische Art, ihre Toten in gruben mit Seitlichen Katakomben zu begraben, mit sich brachten. Die Forscher Unterscheiden auf Grund der Keramik einige Iokale Varianten dieser Bestattungen. Charakteristisch sind Bron­ze- und Bein- Hammernadeln fuer die Kleidung.

Am Ende der Katakomben- Kultur erscheinen neue Hirtenvoelker in der Ukraine, die ihre Unverbrannten Toten in hoelzernen Schacht- Kammerverschlaegen bestatteten. Sie kamen von der Volga her und nah- men nach und nach das gesamte Iinke Steppenufer ein. Die Hauswirtschaft war Ziemlich primitiv und ihre Keramik durch eine einzige Form ver- treten.

Am Ende der Bronzezeit (1200-800 v. Chr.) Iebten in der Ukraine bereits die ersten historischen Staemme der Kimmerier, die wahrschein- Iich Nachkommen der Staemme mit Katakombenkultur waren. Sie hin- terliessen Siedlungen mit Iialbunterirdischen grossen Bauten und oberir- dischen Huetten auf Steinfundamenten, Grabhuegel mit Steinkisten und ueber 30 auf uns Lieberkommene Bronze- Hortfunde.

Im oberen Dnjestrgebiet und in Westwolhynien Iebten in der fruehen Bronzezeit noch die Nachkommen der Staemme mit Schnurke- ramik. In der mittleren Bronzezeit (1500-1200 v. Chr.) beginnt die Ex­pansion der Thraker ueber die Karpaten in das obere Dnjestrgebiet, wo eine gemischte Kultur vom Komariv-Typus (Dorf Komariv bei Halyδ) mit Skelett- und Brandbestattungen sich bildet.

In Ciskarpatien entwickelte die bodenstaendige dakische Bevoel- kerung seine hauptsaechlich fuer den Export durch die Karpaten nach dem Dnjestrgebiet bestimmte Bronzeindustrie in bedeutendem Ausmass.

Gegen das Ende der Bronzezeit erscheinen neue kulturelle Stroe- mungen aus dem Westen in der Ukraine. Unter ihrem Einfluss schafft die bodenstaendige ackerbauende Bevoelkerung, die Nachkommen der Trypilla- Staemme mit einer Beimischung von uSchnurkeramikern" im Bohbecken eine Kultur vom Bilohrudivka- Typus (Bilohrudiver Wald im Umangebiet), mit den Charakteristisehen Aschenhaufen und schwarzer geglaetteter Keramik. Aus dem Gebiet der Dnjepr- Stromschnellen stam- men vom Ende der Bronzezeit mit dem Sonnenkult verbundene Sogenannte Labyrinthe in Gestalt von in fantasievollen Formen aufgelegten Steinen. In der Krim Verblieben als Andenken an die Ahnen der Taurier Bestat- tungen in Steinkisten und Ansiedlungen, die in der Archaeologie mit dem gerneinsamen Namen Kizil- Koba- Kultur Zusammengefasst sind, (Hoehle Kizil-Koba bei Symferepol).

Skythisch-Sarmatische Epoche (Eisenzeit)

Die westliche und Zentraleuropaeische Teilung der Eisenzeit in die Hallstatt — (800 - 500 v. Chr.) und die La Tene-Periode (500-0 v. Chr.) ist auf Osteuropa, besonders jedoch auf die Ukrainischen Terri- torien als Gesamtheit keinesfalls anwendbar. Diese Teilung kann bloss auf das Westgebiet angewendet werden, das territorial den Laendern mit Hallstatt- und La Tene- Kultur naeher lag. Fuer die zentralen und Oestlichen Gebiete der Ukraine ist es Vorteilhafter, diese Zeitspanne in eine Vorskythische, Skythische und Sarmatische Epoche einzuteilen. Und trotzdem machen sich auch hier, so weit im Osten. Einfluesse der zu jener Zeit in Europa herrschenden Hallstaetter Kultur in Form von schwarzer geglaetteter Keramik, Metallschmuck und zum Teil Waf- fen bemerkbar. Diese Einfluesse treten ganz deutlich im mittleren Dnjeprbecken sowie seinem rechten Ufer auf und gelangen bis ans Asowsche Meer und Ciskaukasien.

Die bekanntesten und am eingehendsten erforschten vorskythi- schen Fundstaetten der rechtsufrigen Ukraine sind die Burgwaelle des sog. Cornoliska- Typus die mit dem VIIL und dem Anfang des VIL Jahrh. v. Chr. datiert werden. Unter ihrem keramischen Material befindet sich schwarze geglaettete Keramik, doch noch keine eisernen Gegenstaende.

Im Dnjestrbecken werden die Vorskythischen Denkmaeler durch Unbefestigte Niederlassungen und Begraebnisplaetze vom Typus Luka Vrublivecka, ebenso noch ohne Anzeichen der Verwendung von Eisen fuer den Hausgebrauch, gekennzeichnet.

Die Ackerbau und Viehzucht treibende Bevoelkerung der Iinksu- frigen Ukraine, in erster Linie von asiatischen Nomaden bedroht, baute in Vorskythischer Zeit ihre ersten Burgwaelle- In ihren Kulturschichten findet man u. a. ebenso eingefuehrte schwarze glaenzende Keramik vom Hallstaetter Typus. Zu gleicher Zeit schuf die Viehzucht treibende Be- voelkerung des noerdlichen kaukasischen Gebietes ein eigenes gesonder- tes Bronzezentrum der spaeten Bronze- und fruehen Eisenzeit, deren Erzeugnisse fuer die Kultur des sog. Koban- Typus (Koban im noerd- Iichen Ossetien) Charakteristisch sind.

Das Suedliche Steppengebiet der Ukraine nahmen in der vorsky- thischen Zeit die Kimmerier ein. Ihre materielle Kultur ist noch nicht eingehender erforscht und nur Vermutungen gemaess schreibt man ihnen Siedlungen und Begraebnisplaetze dieser Zeit am unteren Dnjepr und im Asowgebiet zu.

Am Ende des VII. Jahrh. v. Chr. erschien aus dem noerdlichen Iran, uebeι∙ den Don nach der Ukraine kommend, eine neue skythische Nomadenhorde, die in den Steppen weilenden frueheren nomadisierenden Kimmerier nach Kleinasien vertrieb, die Suedliche Gruppe der thraki- schen Staemme zerschlug und einen Teil davon, die Agathyrsen, ueber die Karpaten nach Siebenbuergen zu wandern zwang.

Von den Siedlungen der nomadisierenden Skythen ist am einge- hendsten der Burgwall bei Kamianske am unteren Dnjepr untersucht, wo sich das Zentrum ihrer handwerklichen Erzeugnisse sowie ein wichti- ger Handelspunkt befanden. Dennoch geben naehere Aufklaerung ueber das Leben der Skythen und ihre geistige sowie materielle Kultur die un- gemein reichen Funde in den Graebern der Skythenfuersten (Solocha, Cortomlyk, Melitopil, Karagodevas, Kul-Oba u. v. a.). Am reichsten sind sie in der Gegend am unteren Dnjepr bei Nikopil, und es ist moeglich, dass dort das Gebiet der Staemme der Gerrer sich befand, auf dem Iaut Herodot die Skythischen Herrscher beerdigt wurden.

Unter dem Druck der neuen iranischen Sarmatenhorde am Ende des HI. Jahrh- v. Chr. Verlegten die Skythen ihr Organisatorisches Zen- trum vom Kamjansker Burgwall nach dem skythischen Neapol nahe dem heutigen Simferopol auf der Krim. Bedeutende Denkmaeler dieser Zeit sind der Burgwall vom skythischen Neapol mit seinem monumen- talen Mausoleum, und der Burgwall von Kermen- Kyr. Eine besondere regionale politische Neuschaffung — Mala Skythia (Klein- Skythien) — befand sich damals zwischen dem unteren Donaugebiet und dem Schwarzen Meer, in Dobrudscha.

Die eingesessene ackkerbautreibende Bevoelkerung — die “Bori- stheniten” Herodots — hinterliessen Burgwaelle sowie Iinbefestigte Siedlungen aus dem VI. bis zum III. Jahrh- v. Chr. im unteren Dnjepr- gebiet zwischen Dnjepr und Dnjestr, sowie an den Kuesten des Schwar- zen Meeres entlang.

Die Laendereien zwischen Dnjepr und Dnjestr waren von der noerdlichen Grenze der Steppe bis zur Linie ⅛ytomyr — Kiev in der sky­thischen Epoche von bodenstaendigen Urslawischen ackerbautreibenden Staemmen besiedelt. Herodot nannte sie “ackerbauende Skythen.” Sie hinterliessen viele Denkmaeler, besonders grosse Burgwaelle, die Ende des VII. Jahrh. v. Chr. mit Ruecksicht auf die Gefahr, die der Bevoelke- rung seitens der echten Skythen-Nomaden drohte, gegruendet worden waren.

Die Gegend am Iinken Ufer des mittleren Dnjestrgebietes war bereits in der fruehen skythisch- sarmatischen Epoche (VII. - VI. Jahrh. v. Chr.) von bodenstaendigen ackerbauenden Staemme dicht besiedelt die zahlreiche Burgwaelle, Siedlungsplaetze sowie Graeber mit Erdauf- schutt hinterliessen. Von den Zeitgenoessischen rechtufrigen Staemmen Unterschieden sie sich durch einige Iokale Eigenheiten in der materiellen Kultur und im Begraebniskult. Ihre Verbindung mit Olbien beweisen Bruchstuecke eingefuehrter griechischer Keramik- Zahlreiche Burgwael- Ie im Vorskla- Becken zeigen voile Uebereinstimmung der materiellen Kultur mit den Laendereien am rechten Ufer; dies zeugt von der Kolo- nisation des Iinken Dnjeprgebietes durch Staemme vom rechten Ufer. An Stelle ihrer Unbefestigten Niederlassungen aus dem VII. Jahrh. v. Chr. erscheinen am Anfang des VI. Jahrh. angesichts der Gefahr seitens der Skythen befestige Burgwaelle.

In Polessien im Prypjatgebiet bilden eine gesonderte Gruppe von Denkmaelern kleine Burgwaelle und Friedhoefe (VI.-III. Jahrh. v. Chr.) mit Brandbestattungen, die in der Archaeologie den Namen llMylohrader Denkmaeler” (Dorf Mylohrad) tragen∙ Die Bevoelkerung beschaeftigte sich mit Ackerbau und der Bearbeitung von Eisen und Bronze fuer den eigenen Gebrauch. Oestlich von dieser Gruppe im Cer- nihover Gebiet Polessiens am Mittellauf der Desna Iebten groesstenteils Fischer, die mit den ugro- finnischen Staemmen aus Moskowien verwandt waren. Man kann sie als die Melanchlanen Herodots ansehen. Sie bauten kleine Burgwaelle vom Juchnove-Typus (Dorf Juchnove), die vom V. Jahrh. v. Chr. bis zu den ersten Jahrhunderten n. Chr. bestanden.

Noch weiter suedlich, am Unterlauf dei' Desna sowie in den Ge- bieten von Kiev und Kaniv Iebten vom V. - III. Jahrh. v. Chr. andere Urslawische Staemme, die sich hauptsaechlich mit Viehzucht und der Bearbeitung von Metallen beschaeftigten.

Sarmatische Denkmaeler

Nach den Skythen zogen andere iranische Staemme, die Sarma- ten, Wahrscheinlich unter dem Druck anderer iranischer Horden aus Osten, ebenfalls in die Suedukrainische Steppe. Gegen Ende des II. Jahrh. V- Chr. Uebernahmen sie dort bereits die Fuehrung von den Sky- then und behielten sie waehrend einiger Jahrhunderte. Von ihren Staemmen waren die bekanntesten die Jazygen, die Roxolanen und die Alanen.

Von archaeologischen Denkmaelern der Sarmatischen Bevoelke- rung sind sehr wenige bekannt und deshalb wenig erforscht. Bestat- tungen sind besonders aus dem Gebiet Dnipropetrovsk bekannt.

Griechische Kolonien in der Suedukraine

Die besterforschte Gruppe der archaeologischen Denkmaeler in der Ukraine sind die Uerberreste der antiken griechischen Kolonial- staedte im noerdlichen Schwarzmeergebiet und in der Krim. Sie wurden im VI.-V. Jahrh. v. Chr. aus kleinasiatischen griechischen Kolonien gegriindet, besonders aus Milet. Die groessten unter ihnen waren Olbia, Tyras, Tanais, Theodosia, Chersonesos und Pantikapaion. Die Griechen beschaeftigten sich meistens mit Handel und ihre Waren kamen auf uralten Wegen bis zum Baltischen Meer, nach Zentralasien und Indien.

Die griechischen Kolonisten brachten ihre Muttersprache, ihren Glauben und die Formen ihrer sozialen Organisation mit sich. Ihre au­tonomen Stadtstaaten mit ihren Archonten an der Spitze Spielten ohne Zweifel eine gewichtige Rolle in del* geschichtlichen und kulturellen Ent­wicklung der ansaessigen Bevoelkerung. Die aelteste griechische Kolo- nie in der Suedukraine wurde auf der kleinen Insel Berezan nahe der heutigen Stadt Ocakiv gegruendet. Eine der Wichtigsten und bekannte- sten war Olbia (“die Glueckliche") an der Flussmuendung des Boh gelegen. Sie verdankt ihren Ruhm dem zahlreichen epigraphischen Material, der aeusserst reichen Ausstattung ihrer Nekropole und ihres Marktes (Agora), dem ersten antiken Denkmal dieser Art in der Sued- ukraine.

Am Suedufer der Flussmuendung des Dnjestr befand sich die Kolonialstadt Tyras- Die wichtigste griechische Kolonie auf der Krim war Chersonesos.

Viele Kolonien gruendete man im Ostteil der Krim (Pantika- paion, Theodosia, Nymphaion, u.s.w.) und auf der gegenueberliegenden Seite des Bosporus auf der Halbinsel Taman (Phanagoria, Hermonassa u. a.). Aus ihnen formte man gegen 480 v. Chr. das Kaiserreich am Bosporus. Diese Kolonien zeichneten sich durch Juwelierarbeiten (Pan- tikapaion), die Produktion von Wein und Getreide und durch Fischerei (Tirikata, Mirmekion) und durch Keramik (Pantikapaion, Nymphaion, Phanagoria) aus. Eine gesonderte Gruppe griechisch- Sarmatischer Siedlungen befand sich am mittleren Don.

Die Gebirgsgegenden der Krim nahmen zur Zeit der Skythen die Taurier, Wahrscheinlich ein Teil del* Kimmerier ein, die nach dem Einzug der Skythen in die Ukrainischen Steppen sich in die Berge der Krim zurueckzogen. Ihnen schreibt man ein Fuelle von Siedlungen und Friedhoefen der bereits oben erwaehnten Kizil- Koba- Kultur zu.

Den noerdlichen Teil Ostgaliziens und den angrenzenden Teil Wolhyniens nahmen waehrend der Einfluesse der Hallstaetter — und der La Tene — Kultur bodenstaendige ackerbauende Staemme ein, nach Herodot die Neuren, mit der sog. Vysocke- Kultur (Dorf Vysocke bei Brody). In ihren gemischten Bestattungsriten hat die Skelettbtattung ohne Erdaufschutt bedeutendes Uebergewicht ueber die Brandbestat- tung. Die Siedlungen der Staemme mit Vysocke- Kultur sind fast uner- forscht. Die Vysocke- Kultur besteht von 800-0 v. Chr-

Auf das Territorium der Staemme mit Vysocke- Kultur schoben sich waehrend der Hallstaetter Epoche vom Bug her westliche ursla- wische Staemme mit sog. Lausitzer Kultur vor und nahmen den schma- Ien Landstreifen an seinem Iinken Ufer ein. Nach dem Osten zu reichte ihre Expansion nicht weiter und nur ihre einzelne Bronzearbeiten ge- Iangten auf dem Wege des Warenaustausches nach Ostwolhynien und das Dnjeprgebiet. Deshalb ist es vom Wissenschaftlichen Standpunkt aus nicht ganz begruendet, die Slawisierung des Dnjeprgebietes durch west­liche Urslawen allein darauf zu stuetzen.

Im oberen Dnjestrgebiet Iebten waehrend der Hallstattperiode weiter bodenstaendige Staemme mit einer Kultur vom Komariv- Typus, heute nur bekannt durch Brandbestattungen mit Erdaufschutt. Die juengsten unter ihnen stammen aus dem VI. Jahrh. v. Chr.

Eine gesonderte Gruppe von Denkmaelern aus der fruehen Ei- senzeit befand sich in Westpodolien- Dies sind Grabhuegel mit Sketett- und Brandbestattungen aus dem VI. - II. Jahrh. v. Chr., die man den Agathyrsen des Herodot Zuschreiben kann, d. h. den Nachkommen der Trypiller, die Herodot auf den zentralen Ukrainischen Gebieten “acker- bauende Skythen” nannte∙

Im Ietzten Jahrhundert v. Chr. kamen ins obere Dnjestrgebiet gut bewaffnete Einwanderer aus dem Westslawischen Stamm der Ve- neder, deren Kultur man hier Perevorsker Kultur (Stadt Perevorsk) benannte. Ihr Aufenthalt im Dnjestrgebiet wird besonders durch Brandbestattungen ohne Huegelaufschutt gekennzeichnet. Eine zweite Gruppe Westslawischer Einwanderer, moeglicherweise nur Kaufleute, hinterliess auf Westukrainischem Gebiet einige Brandbestattungen in Steinkistengraebern vom Pommern-Typus. Gleichzeitig kamen aus Schlesien keltische und aus dem Karpatengebiet thrakische Kaufleute. Den Ietzteren gehoeren zahlreiche bronzene Hortfunde zu.

Das Karpatengebiet war im Ietzten Jahrtausend v. Chr- von ackerbauenden Staemmen besiedelt mit einer Kultur vom Kustanovyci- Typus (Dorf Kustanovyci bei Berehovo). In der La Tene-Epoche ka­men auf ihren kriegerisch- haendlerischen Expansionszuegen Kelten aus dem Westen ueber die Sow,akei nach dem Osten (Tevrisken).

Im allgemeinen zeigten die archaeologischen Forschungen, dass im Ietzten Jahrtausend v. Chr. Leben der ansaessigen ackerbauenden Staemme aller Ukrainischen Laendereien oft durch immer neue Inva- sionen asiatischer Nomaden (Skythen, Sarmaten) odeι, w,esteuropaei- schen Kelten, Weneder, Pommerern, 11Lausitzer,” oder aber durch zahl­reiche klein- asiatische Kolonisten griechischer Abstammung und ihre bewaffneten Warenkarawanen gestoert wurde. Alle jedoch — ausge- nommen die Griechen- hatten keinen groesseren Einfluss auf die Entwick­lung der geistigen und materiellen Kultur der ansaessigen Bevoelkerung.

Sarmato - roemische Epoche (I. - IV. Jahrh.)

In den ersten Jahrhunderten n. Chr. erlebte die Ukraine ein ge- ∖visses Gebrage der provinziell- roemischen Kultur auf dem Wege der Handelsbeziehungen mit den Iieugegruendeten roemischen Provinzen Dakien und dem unteren Meesien, sow∙ie durch den Umgang mit den roemischen Legionen in Olbia und Taurien (Charaks). Griechischen Iiistorischen Quellen schlossen sich nun roemische an, und ihre Nach- richten, ergaenzt durch archaeologische Forschungen, helfen die frueh- historischen Zeiten der Ukraine eingehender zu beleuchten. Das gibt uns die Moeglichkeit, zum ersten Male von Urslawischen Staemmen zu sprechen∙

Das Ukrainische Zentralgebiet war auch weiterhin von den Nachkommen der autochthonen ackerbauenden Staemme mit dem Zen- trum in Kiever Gebiet besiedelt. An Denkmaelern besitzen wir gruend- Iich erforschte, ausgedehnte Friedhoefe ohne Aufschutt, sog. Urnen- felder. Der Begraebnisritus dieser Staemme war gemischt: anfangs ueberwiegt die Brandbestattung (Sarubynci- Typus, IL Jahrh. v. Chr. — II. Jahrh. n. Chr.), spaeter unter Sarmatischem Einfluss oefters Skelettbestattung (Cerniachiv-Typus, II. - IV. Jahrh. n. Chr.). Denk- maeler vom Cerniachiv- Typus schreibt man im allgemeinen den Anten zu — einer grossen Gruppe Ukrainischer Staemme, den mittelalterli- chen Historikern gut bekannt (Jordan, Prokopius von Caesarea).

In der Suedukraine erlebten in den ersten Jahrhunderten n. Chr- noch die Ietzten Skythischen Nomadenstaemme ihren Niedergang. Sie gingen nun gaenzlich zu einem sesshaften Leben ueber und schuetzten ihre Burgwaelle durch Steinmauern vor den Einfaellen der Sarmaten.

Im ersten nachchristlichen Jahrhundert erfolgt eine umfangrei- che Bewegung sarmatischer nomadisierender Staemme. Die Jazigen wa- ren bereits bis in die Theissgegenden gedrungen, die Roxolanen nah- men die Gebiete zwischen Dnjepr und Donau ein, und Mitte des I. Jahrh. n. Chr. erschienen in der Ukrainischen Steppenzone die Alanen. Die Sarmatischen Siedlungen sind bis heute noch nicht Systematisch erforscht. Die Bestattungen waren Skelettbestattungen, manchmal mit kuenstlich deformierten Schaedeln in Schachtgraebern, ab und zu mit Seitengrube, mit Erdaufschutt.

Aus dem noerdlichen Europa erschienen am Anfang des III. Jahrh. die Goten, die erst einige griechische Kolonien Zerstoerten und spaeter unter Fuehrung von Hermanarich einen grossen Staemme- bund, Wahrscheinlich hauptsaechlich zum Schutz gegen den Druck seitens der Hunnen, Organisierten.

Das Kaiserreich am Bosporus befand sich unter dem Protekto- rat Roms und unter der Fuehrung der Dynastie der Reskuporiden. Seine Wirtschaft1 seine Industrie und sein Handel Ueberleben die Zeit- en des neuen Aufschwungs mit den Zentren Pantikapaion, Phanagoria und Tanais. Am Asowschen Meer und in den Dongebieten entstehen eine Anzahl griechisch-barbarischer Ansiedlungen mit dem Zentrum im unteren Hnyliv- Burgwall. Der Mittelpunkt der Sarmatischen Staem- me am unteren Don war Tanais.

Von den fruehen griechischen Staedten in der Suedukraine war in den ersten Jahrhunderten n. Chr. die anerkannteste Olbia- Nach ihrer Zerstoerung durch die Geten wurde nur noch ein Teill der Stadt wieder aufgebaut. Der Bedeutung Olbia gleichgestellt war Chersonesos auf der Krim. Das fast tausendjaehrige Bestehen der griechischen Ko- Ionien im Suedlichen Schwarzmeergebiet hatte fuer die Geschichte die­ses Teiles der Ukraine grosse Bedeutung. Dank der Handelsverbindun- gen spielte sie im Wirtschaftlichen Leben des Oestlichen Mittelmeer- gebietes eine wichtige Rolle. Auf ihrem Territorium entstanden die griechisch- skythische sowie die griechisch- sarmatische Hebrydenkultur, die vornehme Mustern vom Kunsthandwerk und von Gegenstaenden fuer den Alltagsgebrauch Iieferten.

Mit den Westukrainischen Gebieten hatten die roemischen Le- gionen niemals Unmittelbare Bindungen und nur roemische Kaufleute besuchten oft diese Gegenden, ueber den oberen Dnjestr kommend, und fremde Staemme, die sich hier vorschoben, brachten ihre bereits “romanisierte” Kultur mit. An erster Stelle unter ihnen standen die Veneder, die bereits oben erwaehnten Ahnen der Westslawen. In ihren Bestattungen findet man viele rituell Verbogene Waffen, die den krie- gerischen Geist der neuangekommenen Staemme bekunden.

Aus dem Suedosten kamen um den Anbruch des neuen Zeital- ters herum neue Emigranten aus den Suedstaemmen der Urslawen den Dnjestr herauf, deren Kultur in der Archaeologie den Namen Ly- pycia- Kultur (Dorf Ober- Lypycia) erhielt. Historiker der Antike nannten diese Staemme Geten, den Dakiern nahestehend, und der By- zantiner Thophilaktus Simokatta bezeichnete sie als Slaven.

Fuer das Karpatengebiet gelten die ersten Jahrhunderte n. Chr. bereits als Anfang seiner historischen Epoche. Beilaeufig in der er­sten Haelfte des I. Jahrh. gehoerte es Wahrcheinlich zum grossen da- kischen Staat des Boirebista- Burvista, doch trat es Spaeterhin nicht in den Verband der roemischen Provinz Dakien ein. Die bodenstaendige autochthone Bevoelkerung war getisch∙ Im Marmaroschgebiet fand man zahlreiche Spuren alter Salzbergwerke, die Roemer aus der Pro- vinz Dakien ausbeuteten.

Eine gewichtige Gruppe von Denkmaelern aus dem ersten Jahr- hundert n. Chr. stellen aus den roemischen Provinzen importierte Ge- genstaende dar, Am Zahlreichsten findet man roemische Denare. Die Hortfunde enthuellen die damals hauptsaechlichsten Handelswege und bilden eine wichtige historische Quelle fuer den Nachweis des schon in so frueher Zeit in der Ukraine bestehenden Geldhandels.

Fruehslawische Epoche (375 - 800 n. Chr.)

Die fruehslawische Epoche in der Ukraine ist die Zeit einer grossen Voelkerumsiedlung. Den Anstoss dazu gab die tuerkisch- mon- golische Horde der Hunnen, die im Jahre 375 den Stammesverband der Goten Zerhschlug und auf diese Weise unter Fuehrung Attilas in das Donaugebiet geriet. Ihre Siedlungen und Bestattungen sind in der Ukraine noch nicht zutage getreten.

Ziemlich genau sind die alanischen Burgwaelle Iaengs des kau- kasischen Vorgebirges am Donee und die Katakomben- Bestattungen (Ober- Saltiv) sowie die in Steingrueften (Kertsch) untersucht.

Zu Beginn dest VI. Jahrh. erschienen die Avaren in der Ukrai­ne, die gegen Ende dieses Jahrhunderts in das Donaugebiet Uebersie- delten und sich in Pannonien niederliessen. Sie Iiessen ebenfalls keinerlei archaeologische Denkmaeler in der Ukraine zurueck. Endlich erschienen um die Wende des VIII./IX. Jahrh. die Magyaren- Alle diese Horden Verursachten Verheerungen unter der bodenstaendigen Bevoelkerung- und dies mehr in der Iinksufrigenen und der noedlichen Ukraine, als in der rechtsufrigen.

Auf diesem geschichtlichen Hintergrund entwickelten die frueh- slawischen ackerbauenden Staemme der Anten ihre politisch-soziale Organisation und Kultur. Ihre Siedlungen waren nicht befestigt, neben ihnen Iagen Friedhoefe vom Urnenfelder- Typus. Auf die Kultvorstel- Iungen der Anten werfen drei steinerne Goetterfiguren aufklaerendes Licht, die in Ostpodolien (Ivankivci) gefunden wurden.

In der Iinksufrigen Ukraine bilden eine gesonderte Gruppe frueh- slawischer Denkmaeler die Burgwaelle vom Romny- Typus (S. Rom- ny), fuer die eine Keramik mit noch primitivem Wellenornament des VIIL - X. Jahrh. Charakteristisch ist.

Die alten griechischen Schwarzmeerkolonien w,aren fast alle in der Hauptsache vernichtet und Olba allein wird noch im VI. Jahrh. erw,aehnt. Der gaenzlichen Vernichtung entging allein Chersonesos auf der Krim, ein wichtiger Handelspunkt fuer das byzantinische Impe­rium. Auf seinem Terrain Iegte man die Ueberreste einiger Steinkir­chen aus dem IV∙ - IX. Jahrh. frei. Eine gesonderte Gruppe von Denk- maelern aus der Zeit der grossen Voelkerwτanderung stellen die Reste von “Hoehlenstaedten” und Kloestern auf der Krim dar, die von der grossen Vitalitaet des neuen Christliehen Glaubens in der Suedukraine einige Jahrhunderte vor der Offiziellen Christianisierung zeugen.

Auf den Westukrainischen Gebieten am oberen Dnjestr, in der Bukowina und in Bessarabien fand man eine Menge Brandbestattungs- huegel und Siedlungen aus dem III. - V. Jahrh. Man schreibt sie den Nachkommen der Geten zu, die Ahnen der in der Chronik erwaehnten Tiverzen waren. Ein anderer Suedslawischer Stamm hinterliess in Westpodolien gleichzeitig Skelettbestattungen mit Keramik vom Cer- niachiv- Typus. Die Verbindung der Wolhyner Duliben mit der Erzaeh- Iung in der Chronik vom “Abquaelen” der Duliben durch die Avaren findet in den archaeologischen Materialien keinerlei Bestaetigung. Hier handelt es sich augenscheinlich um die tschechischen Duliben. In der Karpatengegend erforschte man noch sehr wenige Denkmaeler der fruehslawischen Aera. Einzelne Funde von Goldschmiedearbeiten, mit Halbedelsteinen besetzt, weisen auf Handelbeziehungen mit dem Dnjeprgebiet hin.

Bei der Durchsicht der archaeologischen Denkmaeler der frueh­slawischen Epoche entsteht das Problem der Ethnogenese der Slawen im allgemeinen und des Ukrainischen Volkes im besonderen. Auf die Ietz- ten Forschungsergebnisse der slawischen oestlichen und westlichen Forscher bezugnehmend, kommen wir zu folgenden Schluessen:

1) Die oestlichen sind gleich den westlichen Slawen die ur- autochthone Bevoelkerung in ihren historischen Gebieten.

2) Die ersteren wie die Ietzteren entw’ickelten sich auf zwei ver- schiedenen, jedoch kulturell verwandten Basen noch in fruehrer Zeit-

3) Fuer die Westslawen bildeten solch eine ethnische Basis die ackerbauenden Staemme mit der sog. Bandkeramik. Fuer die Ostlsawischen Ukrainer Stellten die entwicklungsfaehige ethnische Basis ebenfalls ackerbauende Staemme mit Trypilla- Kultur dar, fuer das moskowitische Volk jedoch ur-ugrofinni- sche Nomadenstaemme, die nach und nach unter dem Einfluss der Kiever Rus und den in der Chronik erwτaehnten sloveni- schen Staemmen am Ilmensee slawisiert wurden. Die Grenze zwischen diesen beiden Ostslawdschen Voelkern, festgesetzt nach Funden noch im Neolithikum, eben an der Grenze zwi­schen der Schwarzerde der Ukraine und den Waeldern Nord- osteuropas verlaufend, trennte mit Unbedeutenden Schwan- kungen die Ahnen der Ukrainischen und der moskowitischen Voelker zu alien Vorhistorischen und fruehistorischen Zeiten. Mit kleinen Abweichungen umgrenzt sie die beiden Voelker auch noch heute. Ihre Verschiedenheit tritt auch im anthro- Pologischen Typus der Volkseigenen Kultur, der Folklore sowie der Kunst zutage.

Die Kiever Rus (800 - 1340) (Burgwallperiode)

Das Ende des I. und der Anfang des II. Jahrtausends stellt in der Ukraine bereits eine rein slawische Epoche dar. Historische Beri- chte uber diese Zeit Uebermittelt uns bereits die eigene Kiever Chro- nik aus dem XL Jahrh. Auf Grund der darin erwaehnten Staemme ist man imstande, die erste ethnographische Karte des mittelalterlichen Kiever Staates Zusammenzustellen. Sein Territorium reichte zur Zeit seiner hoechsten Bluete von den Karpaten. dem Schwarzen Meer und dem Kaukasus im Sueden bis zur Finnischen Bucht und dem Ladogasee im Norden, von den Fluessen Vysloka und Weichsel im Westen bis zur Wolga und der Kaspischen See im Osten. Territorial und militaerisch war dies der groesste Staat im mittelalterlichen Europa.

Den Hauptteil des Ukrainischen Staatsterritoriums stellte die mittlere Dnjeprgegend dar, das natuerliche geographische und wirt- SChaftliehe Zentrum war Kiev am Dnjepr und blieb es bis heute∙ Die Dnjeprgebiete bildeten den Iebendigen Kernpunkt und den politisch- Organisatorischen Mittelpunkt des Ukrainische Staates bis zu seiner Vernichtung durch die Tataren um die Mitte des XIIL Jahrh. Darnach hielt der Halic- Wolhynische Staat noch fuer ein weiteres Jahrhundert die Staatsorganisation aufrecht.

Die Staatsordnung in der Ukraine der Fuerstenzeit war — ebenso wie in ganz Europa — feudal. Die Bevoelkerung teilte sich in die Klasse der privilegierten Bojaren, in die freie Bevoelkerung der Staedte und Doerfer sowie die halbfreie Bevoelkerung und die Sklaven unter der Herrschaft der Bojaren. Der Fuerst stuetzte seine Autoritaet auf die bewaffnete Macht seines Gefolges, doch war er kein Autokrat. Ihm stand der Rat der Bojaren zur Seite, mit dem er Verordnungen und Gesetzte verfasste. Ihr erster Kodex war die “Ruska Pravda,” der spae- terhin das Muster zum Litauer Statut im Ukrainisch- Iituischen Staate abgab. In aussergewoehnlichen Faellen (Wahl eines neuen Fuersten, Kriegszug) hatte die Volksversammlung die entscheidende Stimme.

Die Charakteristischesten archaeologischen Denkmaeler dieses Gebietes aus der Zeit der Kiever Rus sind zahlreiche Burgwaelle, bis heute an 1300, auf alien Ukrainischen Gebieten. Deshalb nannten die Skandinavier mit Recht in alten nordischen Sagen die Ukraine “das Land der Burgwaelle” (Gardariki). Um die Burgwaelle baute man Doerfer, deren Bevoelkerung sich hauptsaechlich mit Ackerbau bes- chaeftigte. Ein zweiter neben dem Ackerbau bestehender Zweig der Landwirtschaft im Mittlalter war die Viehzucht, einen Wichtigen Platz nahmen auch Jagd, Fischfang und Bienenzucht ein.

Hoch entwickelt, besonders in den Staedten waren Verschiedene Arten von Handwerk- Durch die vereinten Kraefte der Staedtischen und Iaendlichen Meister erreichte die materielle Kultur des fruehen Mittelalters solch ein hohes Niveau, dass sie die Bewτunderung der Zeitgenossen hervorrief und in die Ukraine Kaufleute sow7ie Reisende aus Verschiedenen Laendern Europas und Asiens zog. Das Handels- zentrum der Ukraine war Kiev, das an der Kreuzung grosser interna- tionaler Strassen lag. Im westlichen Teil der Ukraine stellten Volody­myr in Wolhynien, Peremysl und spaeter Lemberg solche Zentren dar.

Die Kultur des fruehen Mittelalters entstand in der Ukraine durch den andauernden gegenseitigen Austausch mit den Zeitgenoessi- schen Kulturen anderer europaeischer Voelker. Die Ukraine bereicher- te sie mit ihren eigenen Errungenschaften und all das, was sie aus den kulturellen Leistungen anderer Voelker Uebernommen hatte, wurde hier Schoepferisch Umgestaltet unter Anpassung an den Ukrainischen Geist und seine Beduerfnisse, um auf diese Weise zu einem eigenen Bestandteil ihrer Kultur zu werden.

Die heidnische Religion der Kiever Rus war polytheistisch mit dem Donnergott Perun an der Spitze. Den Goettern wurden zum groessten Teil hoelzerne Standbilder errichtet und Heiligtuemer erbaut. Nach der Offiziellen Annahme des Christentums im Jahre 988 wurden die heidni- schen Heiligtuemer zerstoert und an ihre Stelle Kirchen gebaut (Zeh- entkirche in Kiev) und die Standbilder der Idole in den Fluss geworfen. Auf diese Weise erhielt sich die steinerne Statue des “Sviatovyt” mit 4 Gesichtern, die man aus dem Sbrudfluss herausfischte.

Die Einfuehrung des Christentums hatte grossen Einfluss auf die geistige und materielle Kultur der Ukrainischen Bevoelkerung. Die alte Weltanschaung Verwandelte sich nach und nach in ein System Christli- cher Philosophie, das ethische Werte aufwies. In den Haenden der Fuersten wurde das Christentum zu einem maechtigen Faktor bei der Durchfuehrung Weitgesteckter Staatsplaene und Reformen; die neue Religion vereinigte alle Ukrainischen Staemme zu einer einzigen ukrai- nischen Nation, hob in ihren Augen die Stellung der Kiever Fuersten als Apostel des neuen Glaubens, erweiterte auch ihr geistiges Niveau, und die Verbreitung der Bildung machte der Ukraine alle kulturellen Errungenschaften der klassischen und westlichen Welt zugaenglich.

Die Grundlage fuer eine allgemeine Bildung in der Ukraine schu- fen die griechischen Kolonisten, die roemischen Eroberer mit ihren “Ver- bannten”; doch erst die Einfuehrung der Christliehen Religion bildete eine entsprechende Basis fuer den Aufbau einer allgemeinen Aufklaerung.

Die ersten Christlichen Fuersten, Volodymyr der Grosse und Jaroslav der Weise erwarben sich beachtliche Verdienste um die Ver- breitung der Schriftkunde und Wissenschaftlicher Kenntnisse unter dem Volke. Die Schulen befanden sich zum Grossteil in den Haenden der Kirche. Ausser Sprache und Religion standen noch allgemeine Ge- schichte, Geographie und theoretische Kenntnisse aus den Gebieten der Naturwissenschaften auf dem Lehrplan.

Besondere Bedeutung im geistigen Leben der mittelalterlichen Ukraine hatte das Schrifttum, das sich aus griechischen Uebersetzungen entwickelte. Die aeltesten bekannten Dokumente sind die Vertraege der Kiever Fuersten Oleh und Ihor mit Byzanz (907,944). Die aeltesten erhaltenen Handschriften sind das Ostromyrer Evangelium (1056- 1057), zwei Sammelwerke von Svjatoslav Jaroslavyc (1073- 1076), die Gesetzessammlung “Ruska Pravda” in einer Kopie aus dem XIIL Jahrh., die Kiever Chronik in einer Kopie aus dem XIV. Jahrh. und das Ritterepos “Slovo о polku Ihora” (Igorlied) in einer Kopie aus dem XVIIL Jahrh. Glaenzend entwickelten sich auch die Predigten der Ukrainischen Priesterschaft; unter diesen ist “Slovo о zakoni і blaho- dati” des Metropoliten Ilarion vom Anfang des XL Jahrh. als schoenste zu nennen.

Auf dem Gebiet der Kunst hat in der Fuerstenzeit die im cha- rakteristischen byzantisch-ukrainischen Stil mit einigen romanischen Einfluessen ausgefuehrte Architektur besonderes Gewicht. (Kiev, Cer- nyhiv, Halyc). Die meisten Denkmaeler der Monumentalarchitektur befanden sich in Kiev und Cernyhiv, jedoch nach ihrer Systematischen Zerstoerung durch die Sowjetmacht erhielt sich nur ein sehr geringer TeiI bis auf unsere Tage. Unter ihnen die bemerkenswertesten: die Kiever Sophienkathedrale1 und die Erloeserkathedrale in Cernyhiv. Die groesste Kirche in den Westgebieten war der Maria- Himmelfahrts- dom aus dem XIL Jahrh. im Halic-

Besondere Werke der bildenden Kunst in der mittelalterlichen Ukraine waren Mosaiken, Fresken, Ikonen und Miniaturen in Hand- schriften. Schaetze von Weltruf sind die Mosaiken der Kiever Sophien- kathedrale aus dem XI. Jahrhundert, besonders das Monumentalbild der Gottesmutter — Oranta- Der groesste Teil der Waende dieser Ka- thedrale ist mit Fresken bedeckt. Auch die Kirchen in den anderen groesseren Fuerstenstaedten waren in der einen oder anderen Art ver- ziert. Zwischen den Ikonen der fruehen Mittelalters, von denen mehr als 400 bis heute erhalten sind, ist die aelteste die Vyshoroder Ikone der Gottesmutter mit dem Kind, heute in Moskau. Die von Belz wunder- taetige Muttergottes- Ikone befindet sich heute in Czenstochowa (Po- len). Einen aussergewoehnlichen Wert fuer die Sittengeschichte, die Architektur und Bekleidung haben ueber 700 Miniaturen der Koenigsber- ger Chronik, Kopien nach Originalen des XIL - XIIL Jahrh. Muster der angewandten Kunst erhielten sich hauptsaechlich in Metallerzeugnissen mit Hilfe Verschiedener technischer Mittel Niello, Filigran, Email u. a. mit Pflanzen-, Tier- und geometrischen Ornamenten verziert. Eine ge- sonderte Gruppe bilden Skulpturen in Stein und Bein und eine weitere Anhaengesiegel aus Blei — Molibdobulen, Metallstanzen, zu deren Her- stellung man auch Meister der Miniaturskulptur heranzog.

Bestattungen

Bis zur Zeit der Uebernahme des Christliehen Glaubens ver- brannte man im fruehen Mittelalter alle Verstorbenen auf Scheiter- haufen, gab ihnen die gewoehnliche Ausruestung fuer “die andere Welt” mit, und schuettete darueber Huegel auf. Eine dramatische Beschrei- bung solch einer Brandbestattung gibt uns der arabische Historiker Ibn-Fadlan, der eine derartige Bestattung im Jahre 922 irgendwo am Mittellauf der Wolga beobachtete. In der Ukraine entdeckte man die reichste Brandbestattung Warscheinlich eines Fuersten aus dem X. Jahrh. in Corna Mohyla bei Cernihiv. Nach der Offiziellen Uebernahme des Christentums verbot die Kirche die Verbrennung der Leichen in Anbetracht der Zukuenftigen Auferstehung, und von dieser Zeit an be- gann man, die Leichen in ausgestreckter Lage mit dem Kopf nach We­sten zu beerdigen. Man schuettete noch nach altem Brauch Huegel auf, doch zeigten sich bald ebene Grabstaetten ohne Aufschutt, wo die Ver- Storbenen in Reihen nebeneinander wie auf den heutigen Friedhoefen Iagen- Eine dritte und die juengste Bestattungsart der Fuerstenzeit stellen die mit Steinplatten bedeckten Graeber mit Erdaufschutt dar. Heute sind sie allein vom oberen Dnjestrgebiet und Westpodolien her bekannt. Die spaetesten dieser Graeber stammen aus dem XV. Jahrh.

Fuerstliche Residenzen

Die Verwaltungs-, Handels - - und Kulturzentren der gesonder- ten Teile der Ukrainischen Gebiete waren gleichzeitig die Hauptstaedte der Teilfuerstentuemer. Im fruehen Mittelalter gab es deren sieben: das zentrale Kiever, das Cernihover und Perejaslaver am Iinken Ufer des Dnjepr> das Tmutorokanische am Asowschen Meer> das galizische, Wolhynische und das Turovo-Pinsker im Zuflussgebiet von Dnjestr und Bug und im Suedlichen Teil des Prypjatbeckens.

Durch archaeologische Forschungen in den fuerstlichen Resi- denzstaedten entdeckte man Denkmaeler der monumentalen Baukunst1 fuerstliche und andere Bestattungen1 Ueberreste von Fuerstenpalaesten1 Huetten der Stadtischen Bevoelkerung und Werkstaetten Verschiedener Handwerker.

Zahlreiche Hortfunde goldener und silberner Juwelierarbeiten — 51 nur allein auf dem Kiever Terrain — zeugen vom Reichtum der Bevoelkerung, dem hohen Niveua der bodenstaendigen Goldschmiede- kunst und den Handelsbeziehungen mit naeheren und weiteren frem- den Laendern. Die aeltesten Verbindungen weist Kiev auf. Schon in den ersten Jahrhunderten n. Chr. bildete es einen gewichtigen Knoten- punkt am Dnjeprwege und an der Wende des VI./VII. Jahrhunderts wurde es zur Residenz des Fuersten Kyj, dem die Stadt ihren Namen verdankt.

Der ukrainische Staat spielte in der damaligen geistigen Kultur Europas eine fuehrende Rolle. Aus kriegerischen Unternehmungen, sei­ne Territorien vor den Angriffen benachbarter Staemme und Voelker zu verteidigen, ging er stets siegreich hervor. Nur einen einzigen Ge- gner, die Steppenhorden, die sich immer wieder in neuen Wellen durch das asiatische “Voelkertor” ergossen, war man nicht mehr imstande, zu ueberwinden∙ Lange Jahrhunderte schlug die Ukraine diese Horden zurueck und schuetzte die westliche Welt mit ihren Kriegern, bis sie endlich, auf sich selbst gestellt, den Schlaegen der Mongolen erlag. Und nur durch archaeologische Forschungen erschlossene Funde und eine knappe Anzahl erhaltener Bauwerke zeugen heute von ihrer einstigen Groesse und ihrem Glanz.

Damit enden die Vorhistorischen und fruehhistorischen Forschun- gen in der Ukraine. Es kommt nun die historische Archaeologie zum Wort.

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Источник: Ярослав Пастернак. АРХЕОЛОГІЯ УКРАЇНИ. Первісна, давня та середня історія України за археологічними джерелами. НАУКОВЕ ТОВАРИСТВО IM. ШЕВЧЕНКА. ТОРОНТО - 1961. 1961

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